Agentic Commerce: Worauf sich Magento-Händler vorbereiten sollten
Was, wenn Dein nächster Kunde einen KI-Assistenten schickt?
Stelle Dir vor, jemand sucht einen Sonnenschirm für den Balkon. Statt fünf Shops zu öffnen und Datenblätter zu vergleichen, fragt er einen Assistenten:
„Suche mir einen rechteckigen Sonnenschirm für einen kleinen Balkon, höchstens zwei Meter breit, mit Schirmständer. Insgesamt unter 200 €, und prüfe, ob er bis Samstag da sein kann.“
Ein Shop muss dafür vier Fragen richtig beantworten:
- Welche Größe passt?
- Ist bei dieser Variante der Schirmständer dabei?
- Reicht das Budget inklusive Versand?
- Kommt der Schirm rechtzeitig an?
Kann ein Assistent diese Fragen mit den Informationen beantworten, die Dein Shop veröffentlicht? Darum geht es bei Agentic Commerce. Neu bauen musst Du dafür nichts.
Was ist Agentic Commerce?
Agentic Commerce bedeutet, dass KI-Agenten Einkaufsaufgaben für Kunden übernehmen: Produkte finden, Optionen vergleichen, einen Warenkorb vorbereiten oder, wenn sie die Erlaubnis dazu haben, einen Kauf abschließen.
Heute erledigt der Kunde das selbst: Er öffnet mehrere Shops, vergleicht Größen und Preise, prüft Lieferzeiten und füllt den Warenkorb. Mit Agentic Commerce übernimmt der Assistent diese Schritte und kommt mit einem Ergebnis zurück, zum Beispiel einem Warenkorb mit dem passenden Sonnenschirm samt Ständer, den der Kunde nur noch bestätigen muss.
Dabei hilft es, zwei Stufen zu unterscheiden:
- Gefunden werden. Der Assistent liest Produktseiten und Produktdaten, vergleicht sie und empfiehlt Produkte. Das passiert heute schon, auch in Deutschland.
- Im Auftrag des Kunden einkaufen. Der Assistent füllt einen Warenkorb oder schließt den Kauf ab. Für Shops in Deutschland und den meisten Teilen Europas ist das noch nicht verfügbar.
Warum ist das für Magento-Shops relevant?
Bei einem Einkauf mit Assistent fallen manche Entscheidungen, bevor der Kunde Deinen Shop überhaupt erreicht. Deine Produktseite ist dann womöglich nicht mehr der erste Ort, an dem jemand ein Produkt kennenlernt, auch wenn Menschen weiterhin in den Shop kommen, um sich Produkte genauer anzusehen, zu sehen, bei wem sie kaufen, und Hilfe zu bekommen. Deine Produktinformationen müssen also auch außerhalb Deines eigenen Seitenlayouts verständlich sein.
Nehmen wir unseren Sonnenschirm. Ein Foto zeigt einen Ständer, die Beschreibung sagt „Zubehör separat erhältlich“, und eine Variante enthält den Ständer, eine andere nicht. Ein Kunde kann beim Support nachfragen, um das zu klären. Ein Assistent muss es aus den Daten ableiten, die Du veröffentlichst, und bei einem Produktfoto bleibt ihm nur Raten.
Für Dich heißt das zweierlei: An Deinen Produktdaten kannst Du schon heute arbeiten, damit Assistenten Deine Produkte finden und empfehlen. Dass ein Assistent selbst bestellt und bezahlt, steckt dagegen noch in den Anfängen. Hier reicht es vorerst, die Entwicklung zu verfolgen.
Schritt 1: Verbessere Deine Produktdaten
Prüfe die Daten selbst
Nimm Dir eine Handvoll Deiner meistverkauften Produkte vor und prüfe, ob ihre Daten die Fragen beantworten, die ein Kunde vor dem Kauf stellt. In den meisten Shops sind das fünf Dinge: Größe, Lieferumfang, Gesamtpreis, Verfügbarkeit und Lieferzeit.
Werbetexte wie „Passt überall hin“ helfen dabei wenig. Gefragt sind Maße, Materialien und eine Liste, was im Karton ist.
Die meisten Shops haben hier ein oder zwei Lücken. Diese sehen wir am häufigsten:
| Was prüfen | Häufige Lücke |
|---|---|
| Größe und Maße | nur im Produkt- oder Variantennamen oder in unterschiedlichen Einheiten je Produkt |
| Lieferumfang | im Fließtext beschrieben („Zubehör separat erhältlich“) oder nur auf einem Foto zu sehen |
| Preis | angezeigt wird der Preis der günstigsten Variante, und Versandkosten erscheinen erst im Checkout |
| Verfügbarkeit | das Produkt wird als lieferbar angezeigt, obwohl die gewählte Variante ausverkauft ist |
| Lieferzeit | als Text im Frontend angezeigt, ohne Daten dahinter |
Öffne als Nächstes ein konfigurierbares Produkt und frage Dich, ob Größe, Preis, Zubehör und Verfügbarkeit für genau die Variante angegeben sind, die ein Kunde kauft, oder nur für das Produkt als Ganzes. Ein Assistent wertet die Daten der Variante aus.
Prüfe dann, was Deinen Shop tatsächlich verlässt. Ein Attribut kann im Admin stimmen und trotzdem in dem fehlen, was andere Systeme erhalten. Am einfachsten testest Du das mit dem Produktfeed, den Du ohnehin schon ausspielst, zum Beispiel an das Google Merchant Center: Öffne dort dieselbe Variante und vergleiche. Die Diagnose im Merchant Center listet außerdem Produkte mit fehlenden oder ungültigen Attributen.
Zeige die richtigen Daten auf der Produktseite
Stimmen die Daten, müssen sie auch richtig auf der Produktseite ankommen.
Zeige die Daten der gewählten Variante. Wählt ein Kunde eine Variante, aktualisiert Magento Preis und Lagerbestand, aber vieles auf der Seite zeigt weiterhin die Daten des konfigurierbaren Produkts. Wie man das löst, haben wir in Show the Right Product Details Every Time beschrieben (auf Englisch).
Zeige ein voraussichtliches Lieferdatum. Kunden fragen häufig danach, aber Magento bringt keine eingebaute Lieferdatum-Schätzung mit. Wenn Du eines zusagen willst, brauchst Du eine Extension oder eine individuelle Entwicklung.
Mache Deine Seiten für Maschinen gut lesbar
Suchmaschinen und KI-Assistenten lesen Deine Seiten auf ganz ähnliche Weise. Gutes SEO hilft deshalb auch bei GEO, der Generative Engine Optimization: von KI-Assistenten gefunden und zitiert zu werden.
Strukturierte Daten beschreiben ein Produkt in einem festen Format, das Maschinen verstehen: Name, Preis, Verfügbarkeit, Marke und mehr. Viele Magento-Themes geben davon nur einen Teil aus. Der Rich-Suchergebnis-Test von Google zeigt, was eine Produktseite tatsächlich liefert.
Fragen und Antworten auf der Produktseite helfen ebenfalls. Ein kurzer FAQ-Block, der beantwortet, was Kunden wirklich fragen („Ist der Ständer dabei?“, „Ist er für windige Balkone geeignet?“), liefert einem Assistenten eine fertige Antwort, die er weitergeben kann. Dein Support-Team weiß, welche Fragen am häufigsten kommen.
Schritt 2: Behalte die Automatisierung im Blick
Der Teil, bei dem ein Assistent für den Kunden einen Warenkorb füllt oder bezahlt, ist noch im Entstehen:
- OpenAI hat das Agentic Commerce Protocol veröffentlicht und Käufe inzwischen vom eigenen Checkout in ChatGPT in Apps einzelner Händler verlagert.
- Google hat das Universal Commerce Protocol veröffentlicht. Der Checkout darüber startet in den USA, Kanada, Australien und Großbritannien sind als Nächstes angekündigt. Deutschland ist noch nicht angekündigt.
- Adobe baut einen Commerce MCP Server für Agenten, der noch als „coming soon“ gekennzeichnet ist.
- Für Magento gibt es auf GitHub erste Open-Source-Extensions für diese Protokolle, alle noch experimentell oder in Arbeit.
Für einen Shop in Deutschland gibt es also noch nichts einzuschalten. Wenn es so weit ist, lasse die finale Kaufbestätigung beim Kunden und gib dem Assistenten nur den Zugriff, den er für seine Aufgabe braucht.
Checkliste für Deinen Shop
- Nimm fünf Bestseller und prüfe sie anhand der Tabelle oben.
- Öffne ein konfigurierbares Produkt und prüfe, ob Größe, Preis, Zubehör und Verfügbarkeit für jede Variante stimmen.
- Vergleiche diese Variante im Admin mit dem, was Dein Produktfeed ausspielt, und prüfe die Diagnose im Merchant Center.
- Lasse eine Produktseite durch den Rich-Suchergebnis-Test laufen.
- Sammle die Fragen, die Dein Support-Team am häufigsten hört, und beantworte sie auf der Produktseite.
Fazit
Bei Agentic Commerce geht es um eine alte Aufgabe: Kunden mit verlässlichen Informationen zum richtigen Produkt zu führen. Für Magento-Händler heißt das:
- Verbessere jetzt Deine Produktdaten. Klare, variantenspezifische Daten zahlen sich aus, egal ob der nächste Besucher selbst einkauft oder einen KI-Assistenten schickt.
- Behalte die Automatisierung im Blick. OpenAI, Google und Adobe bauen noch an den Teilen, mit denen Assistenten selbstständig einkaufen können. Sobald sie für Deinen Markt bereit sind, sorgen gute Produktdaten dafür, dass Du schnell anbinden kannst.
Wenn Du die Produktdaten Deines Magento-Shops überprüfen oder Deine nächsten Schritte planen möchtest, melde Dich bei CustomGento. Wir helfen Dir herauszufinden, wo Du am besten anfängst.
